25
auch ſie von meiner Seite reißen, ſo biſt Du mein einziger Erbe.“
Birger hatte die Hand des Oberſts gefaßt und ſtarrte ihn an, als ob er zu träumen glaubte. Als der Oberſt ſchwieg, vermochte der Jüngling nicht ein Wort hervorzubringen, ſondern drückte nur die Hand des Vaters an ſeine Lippen.
Der Oberſt erhob ſich und ſetzte in düſterem Tone hinzu:
„Bis auf Weiteres bleibſt Du in Broborg. Mor⸗ gen wird meine Frau begraben, und vielleicht hat der Tod bis dahin mir auch meine Tochter ge⸗ raubt.“
Mit dieſen Worten trat der Oberſt in das Kran⸗ kenzimmer und winkte Birger, ihm zu folgen.
Die kleine Gabriella war in heftigen Fieberwahn⸗ ſinn verfallen und rief während deſſelben unaufhör⸗ lich:„ein Schuß— Blut“ und„Stark“, indem ſie jedes dieſer Worte mit einem Schrei wilder Ver⸗ zweiflung begleitete. Es war in der That etwas Unheimliches, das arme Kind zu ſehen; und der An⸗ blick deſſelben machte auf Birger einen peinlichen Eindruck.
Der Jüngling verweilte einige Monate in Bro⸗ borg; inzwiſchen erholte ſich Gabriella langſam und allmälig; aber es war nur ein körperliches Geneſen; denn über ihrer Seele lag ein Nebel von Trauer, der beinahe wie Geiſtesſtörung ausſah.
Gegen Ende des Sommers trat der Oberſt mit ſeiner gemüthskranken Tochter eine Reiſe ins Aus⸗ land an, um nach ſchwediſchem Brauch die Hülfe auswärtiger Aerzte zu ſuchen.


