Der Poſthalter war unterdeſſen in den Hausflur getreten, um nach der angekommenen Extrapoſt zu ſehen; er grüßte mit erſtaunten Blicken das Paar, das ihm durch ſein Ausſehen ſicher imponirt hätte, wenn er nicht ſeit heute Morgen gewußt haben würde, der junge Mann ſei nur der ehedem davongelaufene und jetzt als Muſikant zurückgekommene Aegidius von Lin⸗ denzell. Dennoch zog er aber vor den Vorübergehen⸗ den die Hausmütze und Aegidius dankte ihm mit einem flüchtigen:
„Guten Tag, Herr Wirth.“
In ſeiner Zerſtreuung hatte er vergeſſen dem wackern Hospes den ihm angenehmeren Titel„Herr Poſthalter“ zu geben.
„Sie ſind der Wirth dieſes Hotels?“ fragte ihn die Dame.
„Allerdings.“
„Und Poſthalter von Lindenheim dazu,“ corrigirte Aegidius.
„Schön,“ ſprach die Dame,„wollen Sie mir zwei Zimmer für mich und eins für meine Begleiterin an⸗ weiſen laſſen; ich gedenke einige Tage hier zu ver⸗ weilen.“
Der Poſthalter war in einiger Verlegenheit. Dank der Werthloſigkeit des Raumes in Lindenheim, war die„Poſt“ noch ſo verſchwenderiſch gebaut, daß da, wo ein großſtädtiſcher Hotelbeſitzer mindeſtens ein halbes Dutzend„Salons“ herausgeklügelt hätte, nur zwei an⸗ ſtändig große Zimmer eingetheilt waren. Neben dem von Aegidius bewohntem Zimmer befand ſich nur noch


