Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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Da kam eine Extrapoſtchaiſe unter ohrenzerreißen⸗ dem Poſthorngekrächze zum Thore hereingefahren. Eine Extrapoſtchaiſe, die durch Lindenheim fuhr, war ſchon eine Neuigkeit. Als aber gar der Wagen ſo dicht an diePoſt heranfuhr, daß es klar wurde, es ſolle hier nicht nur umgeſpannt, ſondern angehalten werden, wurde der Vorfall zum Ereigniß.

In dem halbgeöffneten Wagen ſaßen zwei Damen, oder richtiger eine Dame und eine Dienerin, obwohl Letztere für eine ſolche faſt zu fein gekleidet war; jedenfalls hätte ſie jeder Lindenheimer Dame ein Paroli zu biegen vermocht. Die Dame, d. h. die Herrin war eine auffallende, ja eine ſchöne Erſcheinung. Sie hatte zwar ſchon manchen Prs geſehen, das konnten ſelbſt

die geſchickt angebrachten Verwiſchungskunſtſtücke nicht

(ganz verhüllen, aber die übriggebliebenen Reſte waren

noch immer geeignet, Aufmerkſamkeit zu erregen. Und daß die Beſitzerin das wußte, erkannte ein kundiges Auge ſofort. Unzweifelhaft gehörte dieſe Dameder Welt an. Ihr Geſicht hatte feine, weiche Züge, die Augen waren ſchön geſchnitten und tiefdunkel, vielleicht ſogar ſchwarz, ſo viel hatte die Natur von ſelbſt ge⸗ liefert; was am Teint, an den elegant geſchwungenen Brauen, dem aſchblonden Lockenthurmbau und den niedlichen Perlenzähnen zwiſchen den rothen Lippen Natur, was Kunſt ſei, wußte mit Ausnahme der Dame ſelbſt höchſtens und das iſt nicht einmal ganz ſicher höchſtens noch die begleitende Zofe. Jetzt erhebt ſich die Dame vom Wagenſitze, um auszuſteigen, man ſieht zierliche bis zur halben Wade reichende, am