Teil eines Werkes 
2. Band (1875)
Entstehung
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Die Dekorationen an den Häuſern boten jetzt keinen angenehmen Anblick mehr; theils waren ſie von dem geſtern Abend und während der Nacht gefallenen Regen ruinirt worden, theils hatten ſie dazu dienen müſſen, ſtückweiſe von den Häuſern losgelöſt und abziehenden Turnerſchaaren zugeworfen zu werden. Da, wo die Befeſtigung eine zu ſolide war, wendeten die vorüber⸗ ziehenden Turnbrüder ihre Geſchicklichkeit im Steigen und Klettern praktiſch an, indem ſie von außen an den Häuſern emporklommen und die verwelkten und verwaſchenen Guirlanden und Kränze an ſich nahmen. Bis zu einem gewiſſen Grade nur boten die abziehen⸗ den Vereine daſſelbe Bild wie vor zwei Tagen die an⸗ kommenden. Heute waren die jungen Leute weniger geordnet, als damals, ihr Betragen war lärmender ind die in Folge des endlos häufigen Gut⸗Heil⸗ Schreiens heiſer gewordenen biergeſchwenkten Kehlen gaben dem Ganzen das Gepräge der Ausartung. So ſehr aber auch Aegidius bemüht geweſen war, von der Geſuchten irgend etwas zu entdecken umſonſt. Wenn ſie noch im Städtchen war, ſo mochte ſie wohl in Folge der Erfahrung von geſtern die Luſt verloren haben, noch ferner etwas vom Turnfeſt zu ſehen. Vergeblich ſagte ſich Aegidius, daß es ihm eigent⸗ lich gleichgültig ſein könne, ob er das Mädchen von geſtern wiederſehe oder nicht, ja daß er im Grunde genommen gar kein Intereſſe daran nehmen könne, ob es eine Lindenheimerin oder von auswärts ſei, er belog ſich nur mit ſolchen Selbſtreden; ſeine Gedanken kehrten doch wieder auf denſelben Gegenſtand zurück.