hab's ſchon gehört, daß Sie auch wieder gekommen ſind von der Wanderſchaft, grüß Gott“ und er reichte familiär Aegidius ſeine breite Hand.
Der Hutmacher Herz war ſelbſt für Lindenheim ein hervorragend beſchränkter Kleinſtädter. Für ihn hörte jeglicher Geſichtskreis am Weichbild des Städt⸗ chens auf. In ſeiner Jugend hatte er einmal drei Wochen in der nächſtgelegenen Stadt gearbeitet, das nannte er„in der Fremde geweſen“ ſein, worauf er wieder nach Hauſe zurückkehrte, das väterliche Geſchäft
übernahm, heirathete und— hier ſchweift ſein Lebens⸗ lauf von der traditionellen Ordnung ab— keine
Kinder bekam; er war der Letzte ſeines Stammes ge⸗ blieben; ſeit etlichen Jahren war er zwar Wittwer, aber ſein Scheitel war kahl geworden und keine Hoff⸗ nung mehr vorhanden durch ein zweites Ehebündniß die Herze in Lindenheim fortzupflanzen.— Der Mangel an Familie fiel Meiſter Herz nun allerdings nicht ſchwer, dagegen hatte er einen tiefen Kummer in ſeinem Buſen: ſo oft auch Magiſtrats⸗ und ähnliche Wahlen
einzige Stimme gefallen und das kränkte ihn im Ge⸗ heimen tief. Und doch war der Grund dieſer Wahl⸗ niederlagen triftig genug, ſelbſt für den Meiſter ſelber: er konnte nämlich weder leſen noch ſchreiben. Dieſer Erziehungsfehler lag ihm arg auf der Seele. Seit⸗ dem er eines Tages durch die Poſt einen Brief em⸗ pfangen hatte, den ihm ſeine eben erſt verſtorbene Frau nicht mehr vorleſen konnte und er zu dieſem Ende einen vorübergehenden Schulknaben in den Laden rief,
. ſtattgefunden hatten, nie war auf ihn auch nur eine


