Teil eines Werkes 
1. Band (1875)
Entstehung
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abgegeben werden als Quittung für erfüllte Pflicht kleinſtädtiſcher Wohlanſtändigkeit.

Bei ſolchen Beſuchen iſt es in hohem Grade merk⸗ würdig, was die Menſchen doch für geborene Schau⸗ ſpieler ſind. Geſtern Abend noch trafen ſich die Män⸗ ner im Wirthshauſe und plauderten ganz gemüthlich und familiär miteinander, die Frauen hatten ſich Tags zuvor noch auf dem Wochenmarkte getroffen und ſich wechſelſeitig ihr Herz ausgeſchüttet über die Zunahme der Theurung der Lebensbedürfniſſe, über das Ueber⸗ handnehmen der Unverſchämtheit der verkaufenden Bauersfraucn und die Steigerung der Nichtsnutzigkeit ihrer Köchinnen, heute ſprechen Alle vom Wetter, wie es geſtern war, heute iſt und morgen ſein wird, man verſichert ſich gegenſeitig, wie ſehr erfreut man ſei, daß man ſich in ſo vortrefflichem Wohlſein ge⸗ troffen und daß man bald wieder das Vergnügen zu

haben hoffe u. ſ. w., kurz man unterhält ſich wie ein

ſechzehnjähriger Ladenjüngling mit ſeinem Backfiſch von Tänzerin auf dem erſten Ball. Doch wir wollen ja keinen formellen Sonntags⸗

beſuch machen, ſondern drängen uns ſofort unſichtbar

in das Wohnzimmer der gräflichen Regentenfamilie. Es iſt dies, das Wohnzimmer nänlich, ein freund⸗

liches, hohes Gemach, mit drei Fenſtern nach zwei

Seiten. Seine Ausſicht geht nach dem ehemaligen Kloſterhof, in dem jetzt rieſige Bierfäſſer gelagert ſind, welche des Auswaſchens und Ausbrennens durch die Bräuknechte harren. Das Zimmer iſt blaßgrün ge⸗ tüncht, brochirte Gardinen hängen ſhawlartig an den

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