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Beſuch machen. Wir thun das als ungeſehene Gäſte und treten in das Wohnzimmer ein, in dem ſich außer der Tochter kein Menſch befindet. 8 Das Wohnzimmer einer Honoratiorenfamilie in einer kleinen Stadt iſt der Ort, in den nur ganz ge⸗ naue Bekannte geführt werden. Die kleinſtädtiſche Etikette verlangt nämlich gebieteriſch, daß man ſtreng ausgeſchieden ein Beſuch- und ein Wohnzimmer habe. Das Beſuchzimmer iſt das Prunkgemach des Hauſes. In ihm werden die beſten Meubels aufgeſtellt, in ihm ſteht die Servante mit den geöffneten Etuis voll ſil⸗ berner Meſſer und Löffel, mit den goldgeränderten Taſſen und den altmodiſchen Nippes aus geblaſenem Glas und dergleichen Koſtbarkeiten mehr. Im Beſuch⸗ zimmer hängen auch die Familienporträts, irgend ein Herr mit einem ſteifen Uniformkragen und ſchwind⸗ ſuchtsrothen Wangen, in der Hand meiſt einen Zettel oder Brief, aus dem mit erſchrecklicher Genauigkeit zu erfahren iſt, wer der porträtirte wackere Vorfahrer war und irgend eine Dame mit gefährlichem Locken⸗ bau und mehreren ſtrickartigen Reihen von Kropfperlen um den Hals, die es erklärlich erſcheinen laſſen, warum
die würdige Dame ein gar ſo jämmerliches Geſicht
ſchneidet. Das Beſuchzimmer hat— beſondere feſtliche Veranlaſſungen abgerechnet— nur an Sonntagen Dienſt. Geht die Woche zu Ende— oft auch erſt an Sonntagen vor oder während des Vormittagsgottes⸗ dienſtes ziehen dienſtfertige Hände die ſchützenden Leinwandkappen von den altmodiſchen Meubeln, Staub⸗ lappen fahren eilfertig hin und her und wenn die Uhr


