9 MNN
„Pfuy, pfuy! nicht anzuͤglich, Herr Scholle!“ erwiederte verletzt, doch ruhig, der Briefbote, und erklaͤrte, daß keinen Officianten des hieſigen Poſt⸗ amtes ein ſolcher Ehrentitel treffen koͤnne, da ſie ſich nur um das Poſtweſen ihrer Station zu be⸗ kummern haͤtten, und bisher noch niemand uͤber Saumſeligkeit ihrer Eypedition Klage gefuͤhrt.— „Auch— fuhr er fort—„liegt die ganze Schuld am Poſtmeiſter in Rixen, der ein junges, huͤb⸗ ſches Weibchen geehelicht, das ihm den ganzen Tag im Racken ſitzt, ſo daß der arme Mann kei⸗ nen ſoliden Gedanken mehr im Kopfe hat. Zum Ungluͤck iſt ihm nun auch kuͤrzlich ſein Secretair davongelaufen, und da geht denn alles drunter und druͤber. Der Herr Poſtmeiſter bleibt den ganzen Tag uͤber ruhig ſitzen beim Frauchen und wird wieder jung, die Briefe aber, die bleiben ruhig liegen und werden alt. Daher kommt's auch, Herr Scholle, daß Sie Ihren Brief erſt heute erhalten le
„Ei, ſo ſoll ja dem Herrn Poſtmeiſter in Rixen ein heiliges Wetter auf die Beine helfen!“ „polterte der Erzuͤrnte, dann ſprach er zum Bo⸗ ten:„Euch hab' ich Unrecht gethan, aber dem


