— 230—
Launen ihrer gefuͤhlloſen Mutter war, ihr zu⸗ zog. Erſt, als eine guͤnſtige Gelegenheit mir einige Stunden gewaͤhrte, wo ich ungeſtoͤrt uͤber ihre traurige Lage mit ihr ſprechen, und ſie mich ganz in ihr leidendes ſchuldloſes Herz blicken laſſen konnte, erfuhr ich die Haupturſache von den Mißhandlungen, denen ſie ausgeſetzt war, und doppelt hoch ſtieg meine Verachtung gegen das Weib, das ſich ihre Mutter nannte.
Ihr Vater wurde mir mit jedem Tage ſchaͤtz⸗ barer. Ich machte ihn mit der ganzen Reihe meiner Schickſale bekannt, oͤffnete ihm uͤber ſo manches die Augen, was ihm bisher dunkel ge⸗ weſen war, enthuͤllte ihm die ganze Kabale, durch die der Hochfelſiſche Hof nunmehro mit dem Kronauiſchen verbunden worden war, und machte ihn auf noch verſchiedenes aufmerkſam, was noch geſchehen wuͤrde. Er ſtaunte, und konnte kaum die labyrinthiſchen Gaͤnge der Pfaffenintrigue begreifen. Sie koͤnnen ſich gluͤcklich preiſen, ſagte er, daß Sie den Boͤſe⸗ wichtern entronnen ſind. Wo Moͤnche ihre Haͤnde im Spiele haben, da iſt keine Tugend ſicher. Religion iſt die Maske, unter der ſie handeln, nichts iſt ihnen heilig, und kein Mit⸗ tel zur Erlangung ihres Zwecks zu ſchaͤndlich.


