Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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„An Gotthard ſchrieb ſie einen ernſten Brief, wo⸗ rin ſie ihm zu wiſſen that, daß jeder Briefwechſel zwiſchen ihrer Tochter und ihm aufhören müßte, und daß er niemals ſich auf Ina's Hand Hoffnung ma⸗ chen dürfte.

„Nun trat der Kapitän als Freier auf, aber Ina wies trotz aller Bitten, Thränen und Drohungen der Mutter ſeinen Antrag ab.

„Unbekannt damit, daß ihre Mutter an Gott⸗ hard geſchrieben hatte, verwunderte ſich Ina über deſſen Stillſchweigen und litt deshalb tief im Her⸗ zen. Inzwiſchen verfiel ihre Mutter in eine ſchwere Krankheit und ſchwebte mehrere Tage zwiſchen Leben und Tod. Unter dem Kampfe mit ihren Schmer⸗ zen und beim Anblick der in Thränen aufgelösten Tochter, entriß die Mutter ihr das Verſprechen, den Kapitän heirathen zu wollen. Ina gab dieſes Ver⸗ ſprechen, um deren letzten Willen zu erfüllen. Und die Mutter wurde darüber ruhiger. Sie bildete ſich ein, zu der glücklichen Zukunft ihrer Tochter beige⸗ tragen zu haben, ſofern dieſe nun eines reichen Mannes Frau werden ſollte.

„Gegen alles Vermuthen erholte ſich die Mutter wieder; aber dieſe Beſſerung war nur eine ſchein⸗ bare; denn ihre Krankheit war unheilbar tödtlich. Dieß bewirkte, daß ſie ihrer Tochter Verehelichung beſchleunigte.

„Genug, der Kapitän wurde mit Ina vermählt. Eine Stunde nach der Trauung traf Gotthard in der kleinen Stadt ein, um ſich nach Ina zu erkundi⸗ gen, da er von Allem was ſich bisher zugetragen hatte, Nichts wußte,