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Theil ihrer Zeit ging damit hin, daß ſie ihre Mutter bei dem Unterricht in einer kleinen Mädchenſchule zu unterſtützen hatte. Man kann ſich leicht vor⸗ ſtellen, wie die lebhafte und wißbegierige Ina— ſo wollen wir ſie nennen— ſich durch die einförmige, die Geduld auf eine ſo harte Probe ſtellende Be⸗ ſchäftigung, kleine Kinder das ABC zu lehren, be⸗ ſchwert fand.
„Dazu kam, daß der ſtrenge, beinahe harte Cha⸗ rakter und das faſt gefühlloſe Herz der Mutter ihr die Heimath kalt und wüſte machte; deſſen unge⸗
achtet bezeigte ſie ſich immer als eine gute und ge⸗
horſame Tochter.
„In derſelben Stadt und demſelben Hauſe, wohnte ein Rathsherr, der ſeinen Schweſterſohn bei ſich hatte und wie ſein eigenes Kind erzog. Der Rath war zwar nicht reich, gab aber ſeinem Neffen eine gute Erziehung. Dieſer, den wir Gotthard nennen wollen, erhielt, nachdem er das Gymnaſium abſolvirt hatte, eine Anſtellung als Hilfslehrer in der Schule der Wittwe. Von ihm empfing nun Ina in den Frei⸗ ſtunden Unterricht in denjenigen Gegenſtänden, welche ihr bisher noch gänzlich fremd geweſen waren. Der Jüngling und das Mädchen faßten ſchnell eine leb⸗ hafte Zuneigung zu einander.
„Als er abzog, um eine Stelle bei einem Hütten⸗ werk zu übernehmen, gelobten ſie einander ewige Treue.
„Sie zählte ſechszehn, er zwanzig Jahre; beide ſtanden ſomit in einem Alter, wo man an die Un⸗ veränderlichkeit deſſen glaubt, was man hofft und ſich in glücklichen Träumen von der Zukunft wiegt.


