Teil eines Werkes 
Die Witwe und ihre Kinder : 1. Band (1864)
Entstehung
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wurau man um den großen runden Tiſch Platz nahm.

Man trank auf des Kapitäns Geſundheit. Ohne ſcheinbar auf Eugen Acht zu geben, folgte dieſer ihm aufmerkſam mit den Augen; er ſah, daß ſein Glas unberührt ſtehen blieb. Als die Stimmung aufge⸗ räumter wurde, nahm der Kapitän das Wort:

„Wenn ich Sie ſo verſammelt ſehe, ſo erinnere ich mich wieder der kurzen Zeit, die ich ſelbſt hier verweilte. Zu meinem nähern Umgang gehörte da⸗ mals ein Jüngling, der jetzt todt iſt. Man nannte ihn allgemein„den Sohn der Wittwe““, und be⸗ ſonders hat ſich meiner Erinnerung feſt eingeprägt, was ich von ſeiner Mutter erzählen hörte.“

„Das iſt gewiß eine ſehr intereſſante Geſchichte. Haben Sie die Güte, dieſelbe zu erzählen,“ ſagte ein Student.

„Gern,“ antwortete der Kapitän.„In einer der nördlichen Provinzen wohnte eine Wittwe mit ihrer einzigen Tochter. Die Mutter war von ſtrengem, ſtolzem Charakter und von herrſchſüchtiger Gemüths⸗ art. Frühzeitig Wittwe und der Armuth preisge⸗ geben, erſchwerte ſie ſich ihre einſame Lage und ihre traurige Stellung noch durch die unnatürliche Strenge und Unbeugſamkeit ihres Charakters.

„Die Armuth war für ſie das größte aller Uebel, und Jahre lang hatte ſie nur einen Wunſch, einen Zweck, nämlich ihre Tochter einmal reich zu ver⸗ heirathen.

„Die Tochter war von der Natur mit ungewöhn⸗ lichen Geiſtesgaben ausgerüſtet; ſie fand jedoch we⸗ nig Gelegenheit, dieſelben auszubilden. Der größte