106
führſt. Bedenke, daß dieſe Unterſtützung die letzte iſt, die Du von mir erhältſt, wofern ich hören muß, daß Du es forttreibſt, wie bisher.— Ich bin nicht der Mann, der ſich zum Narren halten läßt, und dulde keinen Ungehorſam gegen mich; am allerwenig⸗ ſten leide ich es von Dir, der von jeher mir zuwider geweſen iſt, da ich ſtets die Ueberzeugung gehegt habe, daß aus Dir ein ebenſo herzloſer Egoiſt und leichtſinniger Menſch würde, wie Dein Vater. Wäre es nicht um Deiner Mutter willen, ſo hätte ich nie⸗ mals Etwas für den Sohn meines Bruders gethan. Erinnere Dich deſſen, im Fall Du etwa Dir einbil⸗ den ſollteſt, Du könnteſt mich zur Nachſicht gegen Deine Ausſchweifungen bewegen. „Gotthard Ulrici.“
Wenn man bedenkt, daß Eugen ſeinen Oheim beinahe gar nicht kannte, daß er ſeit ſiebzehn Jah⸗ ren niemals perſönlich mit ihm zuſammengetroffen war, ſowie, daß er von Natur eitel und ſtolz war, ſo wird man leicht einſehen, daß dieſer Brief, der erſte und einzige, den er jemals von ſeinem Oheim bekam, nicht gerade dazu geeignet war, beſſere Ge⸗ fühle zu erwecken. Alle ſeine guten Vorſätze ver⸗ ſchwanden; das Bild der geliebten Mutter wurde von dem gereizten Stolz und der verwundeten Eitelkeit verdrängt, und eine unbezwingliche Begierde, dem Oheim zu trotzen, bemächtigte ſich ſeiner. Er wollte dieſem Oheim eben dadurch, daß er deſſen Befehlen zuwiderhandelte, beweiſen, wie wenig Achtung er vor ihm hatte.


