Teil eines Werkes 
Die Tochter des Edelmanns : eine Schilderung aus der Wirklichkeit : 1. Band (1863)
Entstehung
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Bei Amalie's Ankunft in der Hauptſtadt diente ihre zunehmende Kränklichkeit als Vorwand, daß ſie in dem Toll'ſchen Hauſe blieb, wo ſie dann ſtarb.

Als der Graf ſich ſpäter Sorenze's annahm, hatte Madame Toll den Verwandten die Erklärung ge⸗ geben, daß Amalie's Mann dem Grafen einige Dienſte geleiſtet, welche dieſer jezt der Tochter vergelten wolle.

Alle hielten es für ausgemacht, daß Bencke, welcher nach Kopenhagen gezogen war und nie von ſich hatte hören laſſen, geſtorben ſei, und in dieſer An⸗ ſicht beſtärkte ſie Madame Toll. 4

Bei den ſanguiniſchen Erwartungen, daß der Graf Sorenza adoptiren würde, hatte Madame Toll gedacht:„Will er dieſe Genugthuung geben, dann muß ich, um Sorenza's Wohls willen, Amalie's jezt ſo ſorgfältig geheim gehaltene Schwäche an's Tages⸗ licht treten laſſen. Dieſes wird ſie in ihrem Grab mir ganz gewiß verzeihen, weil es für das Glück ihres Kindes geſchieht.“ 4

Madame Toll raiſonnirte bei allem dieſem mit der gewöhnlichen Kurzſichtigkeit der Frauenzimmer. Sie hatte überſehen, daß ſie nicht zu gleicher Zeit die Ehre der Todten und der Lebendigen wahren konnte und daß, wenn ſie das Andenken der Mutter Sorenza's vor jedem Schatten bewahren wollte, ſie Sorenza bloßſtellte.

Aber laſſen wir das bis auf Weiteres.

Abends ſchrieb Madame Toll einen Brief folgen⸗ den Inhalts an Sorenza und wir geben denſelben hier wieder, weil er keinen geringen Einfluß auf das ſunge Mädchen ausübte: