15
— Ganz richtig.— Es war ein ſtarkes Schnee⸗ geſtöber an dem Tage.
— Ja, entſetzlich.
Die beiden Kinder, denn etwas Anderes waren ſie nicht, fingen an vom Wetter, vom Schauſpiel zu ſprechen und unterhielten ſich mit jener reizenden Einfachheit und Unſchuld, welche der erſten Jugend eigen ſind, bevor Vorurtheile, die Tadelſucht der Menſchen und eigene Leidenſchaften die Seele mit ihrem Schatten verdunkelt, oder das Wahre erſtickt haben, ſo daß wir die unſchuldigſten Dinge für un⸗ recht und tadelnswerth halten.
Sorenze Bencke, dies war der Name des Mäd⸗ chens, ſprach ohne alle Verſtellung davon, daß ſie Arthur wieder erkannt hätte.
Er ſeinerſeits ſagte ihr aufrichtig, daß er es ſeit vierzehn Tagen gewünſcht habe, ſie wieder zu ſehen ꝛc.—
Dies Alles geſchah indeſſen auf eine ſo naive Weiſe, daß jeder Anflug von Galanterie fehlte.
Unter ſolchen Geſprächen ſetzten ſie ihren Weg nach der Kapitainsſtraße fort, wo Sorenza wohnte.
Am Thor trennten ſie ſich, und da wußte Carl, daß Sorenze jeden Mittwoch und Samſtag um dieſe Zeit von ihren Lektionen zurückkehrte.
Am folgenden Mittwoch, als Sorenza aus dem Thor des Profeſſors E— heraustrat, kam Arthur ihr entgegen.
— Ich dachte mir's, daß ich Sie treffen wuͤrde, als ich die Treppe hinunterging,— ſagte Sorenza lächelnd.— Kommen Sie direkt von Karlberg?


