Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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Dagmar äußerte dieß mit einem halben Lächeln.

„Geht nicht an, nachdem dein Vater den Wunſch ausge⸗ drückt hat, daß Du bei Tiſche gegenwärtig ſein ſollſt.“

„Herr Gott, eine ſolche Tyrannei!“ rief Dagmar und warf ſich auf einen Stuhl.„Majken, ich kann nicht, ich will dießmal meines Vaters Wunſch nicht erfüllen.“

Majken ſah ſie an und lächelte.

„Du mußt dich ein wenig zum Mittagsmahl putzen,“ ſagte ſie und küßte die Stieftochter auf die hohe Stirne.„Es wäre ver⸗ drießlich, wenn David Dich mit ſo unfriſirtem Haare zu ſehen bekäme. Er würde eine ſchlimme Vorſtellung von deinem Ord⸗ nungsſinn bekommen.“.

„Hu, wie Du ſo boshaft biſt und verſchmitzt dazu. Du biſt eine rechte Mißgeburt von Liſt und Verſtellung!“ rief Dag⸗ mar, indem ſie ihre Arme um Majken ſchlang; dann ſetzte ſie in traurigem Tone hinzu:„Du ahnſt nicht, welche Plage es für mich iſt, mit dieſem Mann zuſammenzutreffen!“

„Ich ahne es nicht, darum weil ich es weiß; aber lieber wollen wir uns der größten aller Unannehmlichkeiten unterwerfen, als im Widerſpruch mit deines Vaters Willen handeln.“

Dagmar küßte ſie und eilte auf ihr Zimmer, wo ſie eiligſt Toilette machte. Sie kleidete ſich gleichwohl heute mit mehr Eleganz als ſonſt. Ihr Anzug war gewöhnlich geſchmackvoll, aber äußerſt einfach; jetzt wählte ſie einen ſehr zierlichen. Als ſie einen letzten Blick in den Spiegel warf, lächelte ſie. Der ſchweigſame aber aufrichtige Freund ſagte ihr, daß ſie ſchön war. 84 fand ſich da ein Reichthum, den Niemand von ihr nehmen onnte.

Bei ihrem Eintritt in den Salon zog ein Lächeln über ihr Angeſicht. Man hätte ſagen können, ſie ſei erſchienen, um einen ſehr theuren Freund zu empfangen.

Es fand ſich auch Niemand hier als David. Er eilte auf ſie zu.

„Wie Du heute ſo ſchön biſt!“ rief er..

„Du glaubſt ſomit nicht, daß ich einer Preiſelbeere gleiche?“ bemerkte Dagmar lachend..