Teil eines Werkes 
39. Band, David Waldner : Roman : 2. Theil (1867)
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„Nun frage ich: iſt es denkbar, daß ich durch Ueberlaſſung des verlangten Atteſtes an Waldner dem Oberſt, meinem bitter⸗ ſten Feinde, den größten aller Dienſte leiſten ſollte? Nein, mei⸗ netwegen kann der Doktor ſeine Drohung ausführen, und uns Beide, Dich und mich zermalmen.“

„In dieſem Fall, Vater, wollen wir keine weitern Worte darüber verlieren,“ bemerkte Chriſtoph.„Sie behaupten, Ihren Sohn zu lieben, und zwingen ihn dennoch, wegen der Befriedi⸗ gung eines niedrigen Rachefühls Alles aufzugeben, was ihm theuer iſt.— Ich gehe zur See. Ich will mich nicht meines Vaters ſchämen vor meinem Wohlthäter. Leben Sie wohl! Mögen Sie niemals Grund haben, Ihr Thun zu bereuen!“

Chriſtoph verließ eilig das Zimmer.

X.

Doktor Waldner ſaß am Abend deſſelben Tages in ſeinem Arbeitskabinet, als Alm bei ihm eintrat.

„Mein Vater iſt abgereist,“ ſagte Chriſtoph, und nahm Da⸗ vid gegenüber Platz. 4

„Und Du haſt keinen Auftrag von ihm für mich?“

„Keinen.“ 3

David ſtand haſtig auf und begann das Zimmer mit ſchnellen Schritten zu meſſen.

„Du biſt ſehr aufgebracht,“ bemerkte Chriſtoph.

„Ich leugne es nicht,“ antwortete David.

„Und bereueſt vielleicht deine Handlungsweiſe gegen mich,“ fuhr Chriſtoph fort.

„Eine rechtſchaffene Handlung zu bereuen, iſt nicht meine Sache.“

„Mein Vater wird niemals hergeben, was Du zu erhalten wünſcheſt. Die Gewißheit davon hat mich beinahe vernichtet.“

„Und warum? Glaubſt Du, ich werde oder wolle etwas thun, was Dir ſchaden könnte?“ entgegnete David, indem er ein Papier aus ſeinem Taſchenbuche nahm.„Nein, ſo laſſe ich mich von dem auflodernden Zorn nicht beherrſchen. Aber um jedem