Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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recht zu kommen, fand nunmehr, daß er ſich im vorliegenden Fall getäuſcht hatte, und mußte demnach ſeine Taktik ändern.

„Die Urſache, warum ich dieſe Frage thue, findeſt Du dar⸗ in,“ ſagte er,„daß ich ſelbſt Mathilde liebe.“

Der Jüngling und der junge Mann befanden ſich am Ende der Allee. David blieb ſtehen und ſah Broolind an, welcher fortfuhr:

„Wenn zwiſchen Mathilde und Dir gegenwärtig eine Nei⸗ gung beſteht, ſo kann dieſe unmöglich eine Zukunft haben. Sie iſt älter als Du, und ihr beide ſteht in einem Alter, wo die Ge⸗ fühle ſich noch nicht zu einer entſchiedenen und bleibenden Rich⸗ tung entwickeln konnten. Sie werden mit der Zeit ihren Cha⸗ rakter ändern, von andern verdrängt werden und zuletzt gänzlich

erbleichen. So iſt es aber nicht mit meiner Liebe zu Mathilde;

denn dieſe iſt tief und ernſt. Ich, ſtehe im Begriff, ihr meine Hand anzubieten; Du kannſt noch nicht über dich ſelbſt beſtim⸗ men, biſt nicht einmal mündig. Entſage darum Mathilden und laß nicht eine kindiſche Phantaſie dieſelbe von mir und einer glücklichen Zukunfſt ſcheiden, Vor Allem, David, trage nicht den Ring, welcher ihr zugehört! Das möchte zu Vermuthungen An⸗ laß geben, welche deiner Couſine ſchaden könnten.“

David war ganz bleich geworden. Ein unbehagliches ner⸗ vöſes Zittern fuhr ihm durch alle Glieder. Er ſchaute auf ſeinen Nebenbuhler mit Augen, welche jeden Schimmer ihrer urſprüng⸗ lichen Sanftmuth verloren hatten.

„Was die Zukunft in ſich ſchließen mag, iſt weder Dir noch mir bekannt,“ entgegnete David,„und auf meine Anhänglich⸗ lichkeit an Mathilde dürfte ebenſo viel als auf die Deinige zu

bauen ſein.“

„Du biſt ja erſt ſiebenzehn Jahre alt, lieber David!“ fiel

Arvid ein. —„Das iſt kein Hinderniß, daß ich Mathilden von Herzen gut ſein kann,“ rief David heftig.

„Allerdings nicht; aber es muß, Dich hindern, ihren Ring

zu tragen. Meine Freundſchaft und Achtung erheiſchen übrigens

von mir, daß ich Dich zwinge, es zu thun.“