Teil eines Werkes 
38. Band, David Waldner : Roman : 1. Theil (1867)
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ließ, wenn ein Spaziergang um eine oder die andere Viertels⸗ meile länger war, als ſie ſich vorgeſtellt hatte. Nachdem ſie eine Stunde zurückgelegt hatte, ſtand ſie vor einer Gitterthüre, welche in den ausgedehnten Park führte. Die Thüre war geſchloſſen und die Eiſenſtangen benahmen Majken jede Möglichkeit, unter den dichten, düſtern Bäumen eine Weile umherzuſchlendern. Sie warf neugierige Blicke durch das Gitterthor und überließ es ihrer Phantaſie, ſich Menſchen und Ereigniſſe zu ſchaffen, welche mit dem Alter der Eichen in Uebereinſtimmung waren.

Während ſie alſo da ſtand, ſah ſie eine Perſon zwiſchen den Bäumen heraneilen. Es war vermuthlich Jemand von der Dienerſchaſt, welcher die Gitterthüre öffnen wollte. Sie brauchte nicht lange zu warten, bis der Nahende ſichtbar wurde. Es war ein Kind, ein Mädchen, welches auf dem breiten Wege daher⸗ geſprungen kam. Sie war unbedeckten Hauptes, ſo daß das reiche blonde Haar im Winde flatterte.

Die Tochter, ſprach Majken bei ſich.

Des Mädchens ganze Aufmerkſamkeit war auf einen großen Hühnerhund gerichtet, welcher neben ihr herſprang. Plötzlich hielt der Hund an; dann ſtürzte er mit heftigem Gebell auf den Ein⸗ gang des Parks zu. Das Mädchen blieb ſtehen, betrachtete Majken einige Sekunden mit ſcheuem Blick und rief dann dem Hunde zu:

Hieher, Hektor! Wer wird ſo bellen! ſagte ſie verweiſend zu ihrem Liebling und erhob drohend den Finger. Hektor kroch demüthig zu ihren Füßen. Sie wandte ſich nun mit einer ge⸗ wiſße Unentſchloſſenheit zu Majken und fragte, ohne dieſelbe an⸗ zuſehen: 4

Wünſchen Sie hereinzukommen?

Das war nicht ſo ganz meine Abſicht, antwortete Majken. Die Neugierde hat mich hieher geführt, und ſo blieb ich vor der verſchloſſenen Pforte ſtehen. 3

Die Pforte läßt ſich öffnen, meinte das Mädchen, näherte

ch mit zögerndem Schritt und ſchloß auf, während ſie gegen den zund äußerte: Aufgepaßt, Herr Hektor, du haſt dich ſchlecht betragen, du

Schwartz, David Waldner. I. 2