199
ſcheinbare Engel als untauglich verworfen, ehe ſie eine ihr zu⸗ ſagende Schwiegertochter fand.
Anfangs hielt ſich Rahnal von den Dujardins auf ganz angemeſſene Weiſe entfernt, als aber Beide einige Jahre lang vermält waren, da trat die Erinnerung an jene flüchtige und nur nominelle Verbindung in den Hintergrund, während das Andenken an große auf beiden Seiten erwieſene Wohltha⸗ ten ſo lebhaft wie je in großen Herzen zurückblieb, und es be⸗ ſtand eine warme, eine heilige Freundſchaft zwiſchen den bei⸗ den Familien, eine Freundſchaft der alten Griechen, nicht der modernen Caſinogeſellſchaften.
Camill und Joſephine waren faſt glücklicher, als es je⸗ mals einem Menſchenpaare beſchieden geweſen iſt, zu ſeyn. In der That kann auch nur der den Sonnenſchein gebührend würdigen, welcher aus der kälten Finſterniß heraustritt. So iſt es auch mit dem Glück. Jahrelang konnte man von ihnen kaum ſagen, daß ſie lebten wie Sterbliche— ſie ſchwammen in Glückſeligkeit und Wonne— und dennoch wären ſie Beide beinahe lebenslang elend geworden, die kalte Hand des Todes hatte Beide ſchon berührt und trotz ihres gegenwärtigen hohen Glücks hatte Riemand beſſer als ſie die Wahrheit des alten Spruches kennen gelernt:»Wer lieben will, muß leiden!“


