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»O, wie thöricht ſind Sie, nicht einzuſehen, daß ich es bin, welcher keine Entſchuldigung zur Seite ſteht. Sie ſind mein Verlobter— Ihnen war ich Pflichten ſchuldig— nicht meiner Schweſter, Ihnen— dem beſten Freund, den ich je gehabt. O Eduard, ich bin gottlos— ich bin unglücklich! Ich darf mich nicht wundern, daß Sie mir nicht verzeihen können.«
„Ich verzeihe Dir aber!«
Er ſchloß ſie in ſeine Arme.„So— ſprechen wir nicht mehr von Verzeihung. Meine Verlobte— mein Weib! Unſer einziger Streit ſey fortan, wer das Andere am meiſten liebt.*
»O, das weiß ich, wie das ſehn wird,« ſagte Laura vor Freude lächelnd und ein tiefes Schluchzen unterdrückend. »Du wirſt mich am meiſten lieben, bis Du mich haſt, und dann werde ich Dich am meiſten lieben,« rief ſie muthwillig und ſchalkhaft.
Dieſe Beiden waren ein glückliches Paar. Dieſes eigen⸗ ſinnige aber edelmüthige Herz vergaß nie, daß es gefehlt und daß ihm verziehen worden. Sie ſchenkte ſich dem Verlobten am Altar mit Herz und Seele und hielt ihr Gelübde. Er ſtteg hoch in der politiſchen Welt und bezahlte die Buße für dieſen Ehrgeiz. Sein Herz war oft wund und leidend. Aber an ſei⸗ nem Herd ſaß trauliche Behaglichkeit und ſtets bereites Mitleid.
In langen dreißig Jahren quälte ſie ihn nicht ein ein⸗ ziges Mal mit Klagen über die Dienſtleute.
Ewige Ehre kröne ihren Namen!
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Es war nur ein kleines Stück Ferſe, was Dard in Preußen gelaſſen. Glücklicher als ſein Vorgänger Achilles


