Teil eines Werkes 
4. Theil (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

195 beiden ſchwergeprüften Herzen herabſenkte, aber ich bin nicht dieſer Mann. Es geht über meine Kräfte. Es war nicht blos der Himmel, ſondern der Himmel nach der Hölle.

Laſſen wir auf einen Augenblick das Unbeſchreibliche und Unausſprechliche und gehen wir auf ein leichteres Thema über.

An dem Tage, wo Laura's Ehre und Charakter auf ſo unerwartete Weiſe gerechtfertigt ward, hatte Eduard keine Gelegenheit mit ihr zu ſprechen, ſonſt würde die Verſöhnung ſo⸗ fort ſtattgefunden haben. Wenigſtens aber ging er überſchweng⸗ lich glücklich nach Hauſe. Dennoch aber nahm er ſeine Beſuche in dem Schloſſe nicht wieder auf. Als er ſich die Sache ru⸗ higer überlegte, fühlte ſeine Eitelkeit ſich auf das grauſamſte gekränkt. An dem größeren Verbrechen war Laura unſchuldig, aber wie rückſichtslos hatte ſie ihn, ſeine Liebe und ſeine Ach⸗ tung dem Intereſſe einer Anderen geopfert!

Allmälig gewannen eiferſüchtigere Gedanken die Ober⸗ hand und eines Tages, als ihr bleiches Antlitz, ihre Thränen und ihre Reue ſeinen beleidigten Stolz überwanden, fühlte er, daß er ihr verzeihen könne, und war überzeugt, daß er nie⸗ mals glücklich werden könne, wenn er es nicht thäte.

Er begab ſich zu ihr und ſie empfing ihn. Aber wie? Nicht auf den Knien, wie er erwartete, ſondern mit einem Stolz und einer kalten Zurückhaltung, die ihm in Bezug auf die Widerſprüche des weiblichen Charakters ein neues Licht gewährte. Mitten in einer ernſten Ermahnung, welche er da⸗ mit zu ſchließen gedachte, daß er ihr verzeihe, ſagte ſie ihm, ſie habe es ſich hin und her überlegt, ob ſie ihm verzeihen könne, und ſie ſeh überzeugt, daß ſie es könne, aber nicht in

ſolchem Grade, um jemals ſein Weib zu werden. *