145
von einer weltlichen Behörde geſprochen, machen vor den Augen des Himmels keine Ehe.«
Joſephine unterbrach ihn.
„Unter ehrenwerthen Männern und Frauen iſt ein Eid ſo heilig wie der andere und das Auge des Himmels ſcheinte in das Zimmer einer weltlichen Behörde eben ſo wie in eine Kirche. Eine Tochter aus dem Hauſe Beaurepaire ſchenkt dem Capitän Raynal ihre Hand und nannte ſich ſein Weib. Des⸗ halb war ſie ſein Weib und iſt ſeine Witwe. Sie verdankt ihm Alles, unter andern auch das Haus, in welchem Ihr Alle wohnt. Sie ſollte ſtolz ſeyn auf ihren kurzen Bund mit dieſem reinen heldenmüthigen Geiſte, und wenn ſie ſo unedel iſt, ihn zu verleugnen, dann ſind Dankbaxkeit und Gerechtigkeit von der Erde verſchwunden.«
»„Komm in die Capelle,« ſagte Camill in einem Tone, welcher verrieth, daß er ſich verletzt fühlte.
Sie traten in die Capelle und ſahen hier etwas, was ſie nicht wenig überraſchte, nemlich ein marmornes Monumentzu Raynal's Andenken. Es lehnte jetzt noch an der Mauer un⸗ terhalb der Stelle, welche beſtimmt war, es aufzunehmen. Die kurze, aber bündige und gefühlvolle Inſchrift erzählte von den Schlachten, in welchen er gekämpft, mit Einſchluß des letzten unheilvollen Scharmützels, und ſeine Vermälung mit der Erbin von Beaurepaire, und in wenigen ſoldatiſchen Worten die Bie⸗ derkeit, Einfachheit und Großmuth ſeines Charakters.
Die Schweſtern waren durch dieſen unerwarteten Zug von Camill ſo gerührt, daß ſie beide, wie von einem Im⸗ puls getrieben, ihre Arme um ſeinen Hals ſchlangen.
»Habe ich vielleicht Unrecht, wenn ich ſtolz auf ihn
Wer lieben will. III. 10


