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„Das iſt ein Wink für Euch, meine Töchter,* ſagte die
Baronin.
„Und ein ziemlich deutlicher,« ſagte Laura den Kopf emporwerfend.
Ueber den Gegenſtand dieſer geheimen Unterredung zwi⸗ ſchen der Baronin und Raynal verlautete nichts, die Baro⸗ nin ſchien aber dadurch in die glücklichſte und gleichzeitig liebe⸗ vollſte Gemüthsſtimmung verſetzt worden zu ſehn.
„Dieſer Mann iſt ein Engel, liebe Töchter!« rief ſie, „er denkt an Alles. Ich werde von nun alle ſo geradausge⸗ hende Leute lieben, während ich früher einen förmlichen Ab⸗ ſcheu vor ihnen hatte. Du biſt ein glückliches Mädchen, Joſe⸗ phine, und ich bin eine glückliche alte Frau.«
Joſephinens Antlitz verklärte ſich durch die Freude ihrer Mutter, dann drehte ſie ſich raſch herum und ſah Laura an, deren Geſicht ebenfalls von ungeheuchelter Freude ſtrahlte.
„Ach!« rief Joſephine,„welch ein Troſt iſt es, daß wir Alle wieder eines Sinnes ſind!«
Die Hochzeit ward auf den vierzehnten Tag feſtgeſetzt.
Den nächſtfolgenden Morgen wurden die Garderoben durchwühlt. Die ſeidenen Muſſelin⸗ und Spitzenkleider ihrer glücklichen Tage wurden hervorgeſucht und über jedes dieſer Kunſtwerke ernſte Discuſſionen gehalten. Laura war thätig und geſchäftig. Die Baronin warf das Gewicht ihres Urtheils und ihrer Erfahrung in die Wagſchale. Joſephine lächelte, ſo oft Laura oder die Baronin ſie anſahen.
So glitten die friedlichen Tage vorüber, und ſo ließ Jo⸗ ſephine ſich von der Strömung dem Hafen der Ehe entgegen⸗ tragen.
Ende des zweiten Theiles.
Druck und Papier von Levp. Sommer in Wien.


