Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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26

»Enädige Frau, dies iſt Herr Eduard Riviere, mein Freund.«

Die Baronin verneigte ſich ſteif.

»Möge meine Achtung und ſein eigenes Verdienſt ihm eine günſtige Aufnahme bei Ihnen verſchaffen, und ſollten Sie ihn ſchüchtern und unbeholfen finden, ſo nehmen Sie, wenn ich bitten darf, Rückſicht auf ſeine Jugend, auf die Beſchei⸗ denheit, welche in der Regel die Begleiterin des wahren Ver⸗ dienſtes iſt, und auf die Aufregung ſeines Herzens in einem ſolchen Augenblicke. Ich verlaſſe Sie.«

Mit dieſen Worten entfernte ſich der Doctor.

Eduard ſtammelte zitternd und verlegen kaum hörbar:

»Gnädige Frau, ich fühle, daß ich der ganzen Entſchul⸗ digungen meines Freundes bedürfen werde.«

Hier ſchwieg er plötzlich und die Zunge ſchien ihm an etwas feſtzukleben und die Fähigkeit der Bewegung zu ver⸗ lieren.

»Beruhigen Sie ſich mein Herr, ich höre Sie,« ſagte die Baronin.

»Gnädige Frau, ich perdiene Ihre Tochter nicht aber ich liebe ſie. Meine Stellung iſt nicht ſo, wie ich ihr ſie bieten möchte aber ich liebe ſie.«

»Wie iſt das möglich, mein Herr, Sie kennen ſie ja nicht?*

Ach ja, gnädige Frau, ich kenne ſie. Es gibt Seelen, die durch das Auge ſprechen. Sagen Sie lieber, daß Sie mich nicht kennen. Und Sie haben das Recht zu zögern, ehe Sie einem Unbekannten geſtatten, ſich einem ſo großen Schatze zu nähern. Hierin liegt, wie ich überzeugt bin, das eigentüche Hinderniß. Wohlan, gnädige Frau, da meine Dienſte gering ſind, ſo ſoll auch meine Bitte eine beſcheidene ſeyn geſtat⸗