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„Ja, Mama, wir wiſſen es. Es iſt der— Du weißt ſchon— die Börſe—
Die Baronin erröthete.
»Ha! und warum habt Ihr mir dies nicht geſagt, Kinder?
»O, Mama, Du wäreſt dadurch ſicherlich in eine unan⸗ genehme Stimmung verſetzt worden.«
„Sehr rückſichtsvoll!«
»Und wir hätten es Dir leiſe ſagen müſſen, was ſich doch in Gegenwart eines Fremden nicht ſchickt.«
»Iſt es vielleicht ſchicklicher zu kichern, wenn ich einen Beſuch empfange?s fragte die Baronin ſpitz.
»Nein, Mama,« antwortete Laura demüthig, und im nächſten Augenblick erröthete ſie plötzlich und dann ſah ſie ihre Mutter an und die Thränen traten ihr in die Augen.
»Wir wollen uns mit einander vergleichen,« ſagte die Baronin.»Anſtatt zu weinen, weil deine alte Mutter etwas heftiger geſprochen, als ſie eigentlich wollte, was in deinem Alter abgeſchmackt wäre, ſollſt Du mir ſagen, weshalb Du lachteſt.*. »Damit bin ich einverſtanden, Mama,« rief Laura, deren Aprilgeſicht ſich plötzlich wieder aufheiterte;„ich lachte,
weil er ſchon ſeit zwei Monaten auf deinem Revier gejagt hat,
ohne Erlaubniß dazu zu haben.«
„Unmöglich!«
»Ja wohl. Ich habe das Schießen gehört und auch ge⸗ ſehen, daß er und Dard auf unſerm Revier herumgeſtrichen ſind. Und jetzt kommt er mit ſeinem Engelsgeſicht, wie Du ſelbſt bemerkteſt, hierher und bittet Dich um Erlaubniß— hal ha! ha!— und Du machteſt ihm ein Compliment über ſeine Artigkeit— ha! ha! ha!— Und er nahm das Lob mit
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