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ſo mußte er ſeine Zuflucht zu einem Vegetabilium— der gefäll⸗ ten Ulme— nehmen. Er theilte Saint⸗Aubin mit, er habe
Jemanden beauftragt, in den Wirthshäuſern herum zu hor⸗ chen und wenn er etwas erlauſchte, es ihm ſofort zu melden. S
„Das haben Sie recht gemacht, mein Herr,« ſagte der Arzt.»Wenn der Wein in den Menſchen hinein iſt, ſo ſickern die Geheimniſſe heraus.«
Das nächſte Mal, als ſie einander begegneten, war vidre mit einer ungeheueren eingepuppten Raupe verſehen. Er hatte ſie in einer Hecke gefunden und war von ihrer wirklich auffallenden Größe betroffen. Er brachte ſie zum Vorſchein und bat den Doctor mit augenſcheilicher Schüchternheit um Belehrung.
Die Augen des Gelehrten begannen zu funkeln.
„Das iſt der Todtenkopfl« rief er mit Begeiſterung. „Der Todtenkopf! Eine große Seltenheit in unſerer Gegend. Wo haben Sie dieſes Exemplar gefunden?6
Rividre erbot ſich, ihm den Ort zu zeigen.
Er war eine halbe Stunde entfernt. Auf dem Hin⸗ und Berwege hatte er Zeit, ſich mit Saint⸗Aubin zu befreunden, und dies war um ſo leichter, als der alte Herr, der das Stu⸗ vium menſchlicher Phyſiognomien nicht weniger liebte als das der Inſectenwelt, in Eduards Geſicht Herzensgüte und Ver⸗ ſtand zu leſen glaubte.
Als ſie am Ziele ihres Weges waren, bat Eduard den Doctor, die Raupe zu behalten. Der Doctor weigerte ſich be⸗ ſcheiden.
„Das wäre ja ein förmlicher Raub. Sie intereſſiren ſich ſelbſt für dergleichen Dinge— wenigſtens hoffe ich es.
Der junge Schalk geſtand beſcheiden, daß er allerdings an der Entomologie viel Geſchmack fände, ſetzte aber in be⸗


