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Laura, ſoll ich niemals das Glück haben, auch nur— auch nur mit Ihnen zu ſprechen?«
„Es ſcheint ſo,« entgegnete Laura trocken.
„Haben Sie ſich denn auch gegen mich gewendet? An jenem glücklichen Tage war es blos Ihre Schweſter, welche meine Hoffnungen vernichtete.
„Ich?« fragte Laura.„Was habe ich denn damit zu thun 7*
„Können Sie noch fragen? Sehen Sie nicht, daß nicht Fräulein Joſephine es iſt, ſondern daß Sie es ſind, welche ich— was ſage ich? Ach Sie verſtehen mich nur zu gut!*
»Nein, mein Herr,« entgegnete Laura mit verlegener Miene,„ich verſtehe Sie nicht. Ich verſtehe kein Wort von Allem, was Sie da ſagen Ich bin überzeugt, daß es Jo⸗ ſephine war und nicht ich, welcher Ihre Aufmerkſamkeiten zul⸗ ten, denn ich bin ja nur noch ein Kind.«
»Sie ein Kind— ein Engel wie Sie?
»Fragen Sie wen Sie wollen.« ſagte ſie ſchmollend. „Man wird Ihnen ſagen, daß ich ein Kind bin und dieſem Umſtande verdanke ich ohne Zweifel dieſe Rnterredung. Wenn Sie mich nicht für ein Kind anſähen, ſo würden Sie nicht wagen, ſich dieſe Freiheit mit mir zu nehmen.«
„Ach, mein Fräulein ſeyen Sie nicht ungehalten. Ich habe Unrecht gethan.*
„O laſſen Sie das gut ſeyn. Kinder ſind kleine rückhalt⸗ loſe Weſen und werden demgemäß behandelt. Sie müſſen es ſich für eine Ehre ſchätzen, wenn man Notiz von ihnen nimmt.«
„Dann leben Sie wohl, mein Fräulein. Verſuchen Sie zu glauben, daß Niemand Sie mehr achtet, als ich.«


