31
ſollt noch tiefer herunter. Wieärgereichmich über mich ſelbſt, daß ich Jemanden Gelegenheit gegeben habe mich auf dieſe Weiſe zu beleidigen! Die hochmüthige alte Närrin! Wenn ſie ihr Intereſſe verſtanden hätte, ſo würde ſie dieſe Gelegenheit, ſich einen ein⸗ flußreichen Freund zu erwerben, mit Freuden benutzt haben. Dieſe Royaliſten befinden ſich in einer kitzlichen Lage— das kann ich ihr verſichern. Doch halt— ſie nennt mich von Ri⸗ viöre. Alſo weiß ſie nicht wer ich bin. Sie hält mich für einen jungen Ariſtokraten! Wohlan, dann hat ſie doch— aber nein, das macht die Sache noch ſchlimmer. Sie gibt mir dadurch zu verſtehen, daß Niemand ohne ein Von vor ſeinem Namen ſich erdreiſten würde, einen Beſuch in ihrem alten baufälligen Schloſſe abzuſtatten. Na, es iſt eine Lehre! Ich bin Republicaner und der Staat ehrt mich und ſchenkt mir Vertrauen und dennoch bin ich ſo undankbar, daß ich von dem geraden Wege abweiche, um ſeine Feinde— Rohaliſten — zu becomplimentiren, als ob dieſe alten abgenutzten Ge⸗ ſchöpfe noch Herzen hätten— als ob ſie den Kampf begreifen könnten, der zwiſchen dem Pflichtgefühl und dem Edelmuth in meinem Innern ſtattfand, ehe ich den erſten Schritt zu der Bekanntſchaft mit ihnen thun konnte— als ob ſie die wahre Höflichkeit des Herzens oder ſonſt etwas verſtehen könnten, was edler iſt als Kriechen und Ducken und herzloſe Etikette. Dies iſt das letzte Mal, daß ich von dieſer Familie Notiz ge⸗ nommen— das ſchwöre ich hoch und theuer!«
Und er ging mit raſchen Schritten, kochendem Herzen, knirſchenden Zähnen und runzelnder Stirn nach Hauſe in das Dorf.
Dicht vor demſelben begegneten ihm Joſephine und Laura von Beaurepaire. Bei dem Anblick ihrer reizenden Züge heiterte ſeine düſtere Stirne ſich ein werigʒ und er konnte nicht


