23
ſchwung genommen und ſie hatte ganz dasſelbe Spiel geſpielt, wie er, ſparſam gelebt undAlles für ihn geſpart. Dies ſtimmte ihn noch trauriger.
„Wozu haben wir Beide nun all dieſe Spreu zuſam⸗ mengeſcharrt? Ich gäbe alle meine Erſparniſſe darum, wenn ich nur eine Stunde lang mit ihrer Hand in der meinen am Camin ſitzen und ſie ſagen hören könnte: Junge, als Du klein warſt, habe ich mich manchmal über Dich geärgert, aber ich habe es doch noch erlebt, daß ich ſtolz auf Dich ſeyn kann.*
Er ſuchte die Frau auf, welche ihre Wärterin geweſen, warf ihr mehrFünffrankenſtücke in den Schooß als ſiejemals aufeinem Haufen beiſammen geſehen, bat ſeine Vorgeſetzten, ihn gleich⸗ viel auf welche Weiſe zum activen Dienſt zu verwenden, erhielt ſofort den erwähnten Poſten in der Bretagne und reiſte in dü⸗ ſterer Stimmung von Paris ab, während er zugleich den Ruf eines verſchloſſenen, gefühlloſen Menſchen zurückließ.
Allerdings war dieſe einzige gefühlvolle Seite an dieſem Spartaner eine keineswegs romantiſche, wenigſtens iſt mir kein erfolgreicher Roman bekannt, der ſich um Kindesliebe drehte. Dennoch aber war dieſes Gefühl ein dauerndes, wie aus Folgendem hervorgeht.
Es war einige Zeit nachdem er Paris verlaſſen und ſo viel ich mich entſinnen kann, ein paar Monate nach der erſten Unterredung, welche der junge Rivisre mit ihm gehabt, als er einmal während eines Geſprächs mit ſeinem Freunde, dem Notar Perrin, ſagte, er glaube, er werde niemals aufhö⸗ ren, den Verluſt ſeiner Mutter zu betrauern.
Der Notar lächelte ungläubig, ſagte aber nichts.
»Wir waren Narren, daß wir dieſes Geld zuſammen⸗ ſcharrten; ihr nützte es nichts und ich bin überzeugt, daß es auch mir nichts nützen wird.«


