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„Der Capitän iſt nicht werth, daß eine ſo ſchöne junge Dame von ihm ſpricht. Er iſt ein Verräther.«
„Woher wißt Ihr es?«
»Marcellus, Mademoiſelle fragt, woher wir wiſſen, daß Capitän Dujardin ein Verräther iſt. Sprich!«
Der auf dieſe Weiſe aufgeforderte Marcellus erzählte nun Laura nach ſeiner Weiſe, er kenne den Capitän ganz ge⸗ nau. Eines Tages ſey derſelbe aus dem Lager geritten und nicht wiedergekommen. Anfangs ſey man um ihn ſehr beſorgt ge⸗ weſen, denn man habe ihn ſehr lieb gehabt und ihn allgemein als den wackerſten und tapferſten Offizier der ganzen Diviſion 5 betrachtet. Nach einer Weile ſey dieſe Beſorgniß einem ſehr ſchlim⸗ men Verdachte gewichen, einem Verdachte, der ſich durch 6 ſeine und ſeines Cameraden eigene Erfahrung beſtätigt habe. Ungefähr nach einem Monat ſehen nemlich er, ſein Camerad und noch zwei Andere abgeſendet worden, um ein ſpaniſches Dorf zu recognoseiren. An der Thür eines kleinen Wirths⸗ hauſes hätten ſie eine franzöſiſche Uniform erblickt. Dies hätte ihre Neugier ſo ſehr erregt, daß ſie ſich näher gewagt, als klug geweſen, und ſie hätten ganz deutlich den Capitän Du⸗ jardin erkannt, welcher trinkend zwiſchen zwei Gueril'as an einem Tiſche geſeſſen. Er, der Erzähler, ſey ſogleich zurück⸗ geritten und habe es den Andern geſagt, die ſich dann eben⸗ falls überzeugt hätten, daß er recht geſehen, und hätte auch 1 Einer von ihnen noch einen Zweifel gehabt, ſo ſeh derſelbe auf ziemlich unangenehme Weiſe gehoben worden. Er, Mar⸗ cellus, habe, aufgebracht über den Anblick einer franzöſiſchen Uniform in Geſellſchaft von Spaniern, ſeinen Carabiner zur Hand genommen und ſo weit ſein etwas unruhiges Pferd es ihm geſtattet, einen wohlgezielten Schuß auf die Gruppe ab⸗ 1


