— 357—
herrlichen Münſters zu erheben, denn dort flatterte — hoch über den Fahnen der Stadt— das ſtolze, das gewaltige Banner Frankreichs!
Auf den Plätzen und Straßen wimmelte es von geputzten Menſchen... aber... nur wenige da⸗ von waren eingeborene Straßburger; die Meiſten waren vom Lande hereingeſtrömt, aus dem umliegen⸗ den Elſaß, oder von den franzöſiſchen Gränzbezirken herübergekommen. Louvois hatte ſogar im Geheimen verfügt, daß alle benachbarten franzöſiſchen Städte und Gemeinden eine gewiſſe Anzahl ihrer Inſaſſen ſchicken mußten.
So war denn heute das Leben und Treiben in Straßburg ein gewaltig bewegtes, obgleich ſich die Bürger der Stadt zumeiſt ſtill und ernſt in ihren Häuſern hielten. Nahm es doch ſelbſt den Charakter einer freudigen Erregtheit an, da die vielen anweſen⸗ den Franzoſen allerdings Grund genug hatten, den Tag für einen wahren Feſt⸗ und Siegestag zu nehmen.
Heute!. heute ſollte ja der feſtliche Einzug des Königs von Frankreich in Straßburg und die Beſitznahme dieſes wichtigen Platzes denſelben ſtattfinden.
Deuchte ſich dabei doch jeder einzelne, über die Gränzen herübergekommene Franzoſe, ſelbſt der ruhm⸗ gekrönte Sieger zu ſein; beſah er ſich doch mit Stolz


