in fröhlichem unerfahrenem Staunen, als blicke es eben jetzt zum erſtenmale den Geliebten an.
O! es war ja das Gefühl der innigſten, der reinſten, heiligſten Liebe, das die Seele an ihre Gött⸗ lichkeit erinnerte, und ſie jetzt über die Körper⸗ welt, die ſie umgab, ſelig erhob.
„Und weißt Du, wie es mir in dieſem Augen⸗ blicke zu Muthe iſt?“— frug Alma jetzt ſanft.
„Und wie denn?“— entgegnete Hugv.
„Mir iſt es“— fuhr Alma, wie in glücklichem Traume fort—„als dränge ich an das Licht, wie das Saatkorn, das einen langen, langen Winter hin⸗ durch in der Erde verborgen lag und jetzt von der Frühlingsſonne wach geküßt wird.“
„Weil Du liebſt“— entgegnete Hugo—„ath⸗ met deine Seele Unſterblichkeit!“
„So iſt die Liebe gleichſam ein geiſtiges Auf⸗ erſtehen?“
„Ja! denn ſie erkennt das Himmliſche in Licht und Klarheit. Liebe iſt der Grund des Daſeins, ſein Weſen und ſein Ziel. Nur durch die Liebe lernen wir uns ſelbſt, Welt und Leben verſtehen.“
„O Hugo!“— rief hier Alma und ſchmiegte ſich, ſanft erröthend, noch inniger an den Geliebten an—„ſeit heute fühle ich erſt: wer nicht liebt, der kann auch kein Freund der Menſchheit ſein; wer
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