— 356—
Nein! ſo hatten ſie ſich noch nie angeſehen; ihr Mund ſchwieg.. aber ihre Blicke ſprachen wie mit Engelszungen.
Ol wie zog es da Hugo ſo mächtig, ſeine Arme um die ſchöne, zarte Geſtalt zu ſchlingen und ſie ſein zu nennen, ganz... ganz ſein eigeir Alma aber lächelte ihn ſo ruhig und unſchuldig an, ſo glücklich in dieſer Ruhe, daß er es nicht wagte.
Jetzt aber fanden ſich auch Beide wieder; ehe indeß ein geregelter Austauſch der Gedanken und Gefühle ſtattfinden konnte, beſtürmte natürlich ⸗ lichkeit Alma's Herz
„Und Du haſt es gewagt,“— ſagte ſie, wäh⸗ rend Beſorgniß und Schüchternheit ihr Herz beſtürm⸗ ten—„ſo geradezu hieher zu kommen?... ohne daß mein Vater...“
Ein ſchönes Lächeln verklärte Hugo's Züge.
„Nein!“— verſetzte er dabei—„das würde
ich nicht gewagt haben;— aber Dein Vater bat
mich, als ich heute Morgen das Rathhaus verließ, ihn zu dieſer Stunde zu beſuchen.“ „Mein Vater?“— rief Alma freudig erſtaunt. „Ja!“ „Und er zürnt Dir, dem Sohne der Familie Zedlitz, nicht mehr?“ „Syndicus Frantz war und iſt ein Ehrenmann!“


