erſteren contraſtirte. Leicht hatte das feine, weibliche Gefühl die Urſache dieſer Aenderung entdeckt, und Roſa fühlte jetzt nur zu gut: daß Oskar nicht gleichgültig für ſie ſey; aber auch nichtsdeſtoweniger von jeder zärtlichen Ver⸗ bindung zurücktreten wolle..
Ihr Urtheil war geſprochen. Sie fühlte ſich namenlos unglücklich und machte ſich die bitterſten Vorwürfe, ihrem Herzen ſo nachge⸗ geben, vielleicht ſogar ihre Gefühle gegen den Baron, auf eine oder die andere Weiſe, verrathen zu haben. Froſt ſchüttelte ihre Glieder, Bläſſe deckte ihr Geſicht und dennoch glühte ihr Kopf. Sie ſchwieg, legte den Brief zuſammen und ergriff ihre Lieblingslectüre: Jean Pauls Lebens⸗ geſchichte.
Während dies geſchehen, hatte die Tante kein Auge von Roſa gewendet. Wohl ahnte ſie etwas von dem Inhalte des Briefes, doch wagte ſie, da ihr des Mädchens auffallende Bläſſe und anſcheinende Ruhe einen aufgeregten


