Teil eines Werkes 
1. Band (1849)
Einzelbild herunterladen

228

Zeit iſt. Mein Gott! mein Gott!— Im Augen⸗ blick iſt es zu ſpät!“

Während Donna Ines dies ſagte, ſpiegelten ſich in ihren reinen und rührenden Zügen eine ſo wahr⸗ hafte, ſo tödtliche Angſt, ihre ſchönen Augen erglühten in einem ſo lebhaften Feuer, daß ſich Gondreville tief ergriffen fühlte.

„Sollte man mich betrogen haben?“ rief er, die Hand an ſeine Stirne führend, als wolle er ſeine Erinnerungen beſſer ſammeln.

„Ja, man hat Euch betrogen!“— verſetzte Donna Ines in Verzweiflung—„ich liebe Euch nicht! ich habe Euch nie geliebt!.... Hört Ihr mich....“

Doch als wollte ſie dieſen Worten den grauſamen

Stachel nehmen, ſetzte ſie ſchnell hinzu:

„Dennoch will ich darum Euren Tod nicht, und wenn Ihr auch nur noch einen einzigen Augenblick zögert, kann Euch nichts mehr retten. Diesnal wer⸗ den ſie unbarmherzig gegen Euch ſein. Wer weiß,

ob man nicht ſchon von Eurer Gegenwart hier un⸗

terrichtet iſt; ob man nicht kommt, Euch zu ſuchen, zu tödten;, unter meinen Augen zu tödten!.. o es wäre entſetzlich!... Flieht!... Flieht!.. Aber ſo macht doch, daß Ihr hinwegkommt!“