178
Chriſtenheit dem Gerichte ſelbſt. Es war ein impoſanter Anblick, die noch nicht zwanzigjährige Königin ſich in eigener Perſon vor dem Papſte, den verſammelten Kar⸗ dinälen, Biſchöfen, Prälaten und Geſandtſchaften aller Höfe vertheidigen zu ſehen.
Dem Throne des Papſtes gegenüber ſtand ſie auf einer eigens dazu errichteten Tribüne, mitten in einer kaum überſehbaren Verſammlung hoher Häupter, Fürſten und Würdenträger. Kein Athemzug ließ ſich hören, kein Auge wich von der reizenden Geſtalt, alle Herzen pochten in ungeduldiger Erwartung; Jeder blickte mit Intereſſe auf die vollendet ſchöne Frau, deren ungemeine Bläſſe, deren zarter, faſt durchſichtiger Teint, deren reine, von tiefer Melancholie überſchattete Stirne, die Leiden ver⸗ kündeten, welche die letzten Jahre auf ſie gehäuft.
Johanna erzählte vorerſt mit feſter, aber von Gram gedämpfter Stimme den wahren Hergang der Sache und ging dann zu ihrer Vertheidigung über. Der Schmerz, der ſie bei Anführung der unglückſeligen That ergriff; die Wahrheit, mit welcher ſie ihren damaligen Schrecken und ihr Entſetzen malte; die Verzweiflung, die ſie erfaßte, als ſie der ewig wiederkehrenden Beſchuldi⸗ gungen einer ſolch' unerhörten Schändlichkeit gedachte,


