ſo ſehr riß ihre Schönheit, ihre Jugend und ihr unglück die ganze Bevölkerung hin. Feſte und Feierlichkeiten er⸗ warteten ſie aller Orten, und Jedermann bemühte ſich, der lieblichen Verbannten das ſchmerzliche Exil zu er⸗ leichtern.
Clemens VI. ſelbſt empfing die Königin in ſeinem Pallaſte zu Avignon mit väterlicher Güte und jener morgenländiſchen Pracht, mit welcher er ſich bei feierli⸗ chen Gelegenheiten zu umgeben wußte. Dieſelbe Huld ward auch dem Gemahl der Königin und ihrer Schwe⸗
ſter Marie zu Theil, die ſich nach ihres Gatten Tode
zu Johannen geflüchtet.
Zu gleicher Zeit aber waren auch Geſandte von Sei⸗ ten Ludwigs von Ungarn am päpſtlichen Hofe einge⸗ troffen, die daſelbſt, im Namen ihres Fürſten, eine förm⸗ liche Verdammniß Johanna's bezwecken ſollten.
Dies Begehren kam der Angeſchuldigten gerade recht, und ſie ſelbſt flehte den heiligen Vater um ein ſtrenges Gericht an, damit ihre Unſchuld auf ſchlagende Weiſe vor aller Welt bethätigt werde.
Clemens VI. bewilligte dieſe gerechte Bitte gern, und einige Tage nach dem Erſcheinen der ungariſch⸗nea⸗
politaniſchen Geſandtſchaft, präſidirte das Oberhaupt der n. 12


