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Doktor Campius ſaß ſchon längſt zur gewöhnlichen Stunde hinter ſeinem Schoppen im kühlen Saale des Europäiſchen Hofes.
Er wartete heute mit um ſo größerer Ungeduld auf ſeinen Freund, den wohlbeleibten Inhaber des Gaſthofes, als er ſich, müde von einer ziemlich weiten Exeurſion, nach einem traulichen Geſpräche ſehnte. Aber Engel⸗ bert blieb ungewohnlich lange und der Naturforſcher mußte ſich daher noch eine geraume Zeit mit den, in ſei⸗ ner Botaniſirbüchſe ſorgſam aufbewahrten Pflanzen be⸗ ſchäftigen. Bedächtlich zog er daher mit den langen Fin⸗ gern eine derſelben heraus, legte ſie vor ſich auf den Tiſch, und fing nun, indem er bald an den weißgelbli⸗ chen Blumen roch, bald an dem Stiele kaute, oder die Blätter in ſeiner Hand zerrieb, eine gelehrte Unter⸗ ſuchung an.
„Hm!“ brummte er dann vor ſich hin, und nahm zwiſchen jeder Bemerkung einen tüchtigen Zug Wein zu ſich.„Hm!— Nichts anderes als Jodum palustre. Linné.
— Staubfäden?— zehn!— Rinde— braunroth und
wollig!— Blätter?— oben grün, unten bräunlich!— Alles genau paſſend.— Geruch?— ſtark und gewürz⸗ haft!— Geſchmack?— item!“—


