360
Täuſchung durch den Schein gewinnen zu laſſen, und die Verzweiflung raunt ihnen zu: es iſt nur Schlaf! wenn gleich deſſen Zwillingsbruder die Fackel des Lebens längſt ausgelöſcht.
Wir können nicht begreifen, daß ein Herz, das bis dahin voll treuer Liebe für uns ſchlug, ſich nun plötzlich von uns losgeriſſen habe; es iſt uns, als ziehe uns die Liebe zu dem erſtarrten theuern We⸗ ſen mit in die Gruft.
So ging es jetzt Friedrich mit dem Kanzler.
Er hatte ſich kaum einigermaßen von dem erſten Schmerze erholt, ſo ſchien ihm ſein Urtheil 2 übereilt. Er ſpiegelte ſich ſelbſt Täuſchung vor. Er konnte, er wollte nicht daran glauben, daß ihn Vineis, ſein alter, treuer Freund, die kräftigſte Stütze ſeines Thrones, ſein Vertrauter, der Mann, den er vor Allen auf Erden mit Ehren und Schätzen überhäuft, verrathen, die verruchte Mörderhand nach ſeinem Leben ausgeſtreckt habe.
Und dennoch lagen die Beweiſe klar vor.
Aber der Kaiſer verlangte mehr. Zu ſchwach, ſelbſt zu gehen, ließ er ſich auf ſeinem Seſſel nach den Gemächern bringen, welche der Kanzler bereits eingenommen.
In ſeiner Gegenwart wurden ſie eröffnet, ſo⸗ wie alle ſeine geheimen Behälter erbrochen, und nun durfte Friedrich an der Treuloſigkeit des be⸗
7
2 3


