Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 5

ter die Kämpfenden durch eine wichtige Nachricht unterbrochen, die er ihnen halblaut zuraunte.

Sogleich war der Streit vergeſſen und das Geſpräch ſpann ſich nun über einen anderen, mir noch viel intereſſanteren Gegenſtand ab.

Wie ſoll ich Euch mein Erſtaunen und meinen Schrecken beſchreiben, als ich erfuhr, daß der Kanz⸗ ler Petrus de Vineis, welchen der Kaiſer in Staats⸗ geſchäften nach Genua geſandt, insgeheim in Tu⸗ rin angekommen ſei, um mit Cardinal Montelongo, einem Abgeſandten des Papſtes, über eigene Ange⸗ legenheiten zu unterhandeln.

Der Vertraute, der Freund des Kaiſers, im heimlichen Einverſtändniſſe mit Rom! Denn daß dies der Fall, hörte ich deutlich aus dem Geflüſter meiner Nachbarn, die auf mich, der ich mich ſchla⸗ fend ſtellte, nicht achteten.

Keinem anderen Menſchen hätte ich eine ſolche Niederträchtigkeit und Falſchheit zugetraut. Bei Vineis zweifelte ich nicht, denn ich durchſchaute denſelben längſt und wußte nur zu gut, daß er, wenn auch bisher ein treuer und tüchtiger Diener des Kaiſers, dennoch ein Sklave ſeines Hochmuthes und Geizes ſei.

Hochmuth ſtürzte aber einſtens ſelbſt Satan und ſeine Engel, warum nicht einen finſteren, lei⸗ denſchaftlichen Menſchen.