Teil eines Werkes 
3. Theil (1845)
Entstehung
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In bunter Abwechslung des Glücks und Un⸗ glücks ſtürmte ſeitdem das Schickſal über Piſas ehrwürdige Mauern, erhob es bald zu einer ehr⸗ furchtgebietenden Größe und Macht und beugte es dann wieder unter die Hand blutiger Tyrannen.

Namentlich mußte die ſchöne Stadt viel in den Kriegen der Guelfen und Ghibellinen leiden, in welchen ſie ſich, je nach der Uebermacht der in ihr herrſchenden Partei, zu den Päpſten oder den Kai⸗ ſern hielt.

Dennoch feierte Piſa in jenen Tagen blutiger Kriege ſein goldenes Zeitalter.

Die Zerſplitterung Oberitaliens gab ihm Un⸗ abhängigkeit; ſein Handel blühte, ſeine Macht zu Land und See wuchs, ſeine Schiffe bedeckten alle Meere und noch zeugen ſeine Prachtgebäude, das reiche Gepräge des Mittelalters tragend, von jener Glanzepoche, in welcher es an 150,000 Einwoh⸗ ner zählte, deren Menge jedoch, nachdem es nach langen Kämpfen den florentiniſchen Mediceern er⸗ legen, auf 20,000 zuſammenſchmolz.

Eines aber konnte weder die Macht der Zeit noch die Tyrannei der Menſchen ihm nehmen und dies iſt die Gunſt, mit welcher es die Natur von

jeher behandelt; eine Gunſt, doppelt ſchätzbar durch

ihre Unwandelbarkeit und die Fülle des Segens, die ihr entſtrömt.

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