8 hatte, ging er, nicht ohne wiederholte Seitenblicke nach ſeinem Lieblinge, zu einer weißen Tafel, und fing an mit Kohlen wunderbare Kreiſe und Figu⸗ ren auf derſelben zu ziehen, Winkel und Seiten mit Zahlen und Buchſtaben bezeichnend.
Als dies geſchehen, begann das Männchen hin und her zu rechnen und vertiefte ſich endlich ſo ſehr in ſeine Arbeit, daß er gar nicht bemerkte, wie der Vorhang des Zeltes aus einander geſtreift wurde und ein Beſuch eintrat.
Der ſpäte Gaſt war ein überraſchend ſchöner Mann von ungefähr dreißig Jahren. Sein feſt gebauter, wohlproportionirter Körper verrieth eine ungemeine Kraftfülle und ſein Anſtand und ſeine leichten und gefälligen Bewegungen deuteten ebenſowol auf körperliche und geiſtige Ausbil⸗ dung, als auf einen hohen Standpunkt in der menſchlichen Geſellſchaft. Blonde Haare beſchatte⸗ ten eine hohe, ſchöne Stirn, an die ſich eine antik gebogene Naſe anſchloß. Der wohlgeſtaltete Mund war fein gezeichnet, das Kinn rundlich, die Augen aber drückten eine freundliche Heiterkeit aus. Da⸗ bei hatte ſein Erſcheinen etwas ſo Impoſantes, in ſeinen edlen Zügen lag eine ſolche Hoheit, daß es augenſcheinlich war, die Natur habe ihm das Sie⸗ gel der Majeſtät aufgedrückt.


