240
ihrem empfindſamen und poetiſchen Herzen durch eine Vergötterung Shakſpeares, neben welchem ſie gar keinen Dichter mehr beſtehen laſſen wollte, Luft; wie ſie denn auch bei jeder, ſelbſt der unpaſ⸗ ſendſten Gelegenheit, eine Stelle dieſes Heroen der Dichtkunſt im Munde hatte.
Schließlich aber wurde die Geduld der Gäſte noch einmal auf eine grauſame Probe geſtellt, als ſie Lady Macdonatheronbethduff mit der Vorleſung eines, gerade nicht ſchlechten, aber zwei⸗ hundertvierzig Verſe langen Heldengedichtes erfreute.
Im Anfange hoffte Ferdinand auf die ſich zu entwickelnde Handlung, dann, als dieſe ſich immer durch nichtsſagende Epiſoden verzog, lenkte er ſeine Aufmerkſamkeit auf die Vorleſerin ſelbſt, und genoß ihre Reize ſo recht nach einander und einzeln, wie ein Gourmand eine vorzügliche Schüſſel— und als er auch damit fertig war, hoffte er auf das Ende des Gedichtes. Aber es wollte nicht kommen. Zu ſeinem entſetzlichen Verdruße ſchlummerte auch noch Arabella beim hundert neun und fünfzigſten Vers ſanft ein; und ſo mußte er,— innerlich wüthend, äußerlich zahm wie ein Lamm— da die hochedle Dichterin ihren Vortrag namentlich an ihn richtete,


