52 nicht nur näher kennen lernen, ſondern es däuchte ihm auch gut und edel den Niedergebeugten zu zer⸗ ſtreuen und aufzurichten. Dabei ſtieg in Ferdi⸗ nand unwillkührlich auch wieder das Bild auf, welches er ſich dieſe Nacht von des Schauſpielers fleißiger Schweſter entworfen, und er mußte ſich ge⸗ ſtehen, daß er ſehr neugierig ſei, zu wiſſen, in wie weit ſich ſeine Phantaſie dabei von der Wahrheit entfernt. Die Löſung dieſes Wunſches aber ließ ſich, wie ihm däuchte, auf das Schönſte mit ſeinem Plane vereinen. Raſch eilte er zu ſeinem Schreibtiſche, nahm Feder und Papier und ſchrieb folgende Zeilen:* „Geſchätzter Freund!“
„Auf die Gefahr hin, für einen Egoiſten zu gelten, nehme ich heute in Beſchlag, was ſich mir kaum ge⸗ ſtern Liebenswürdiges gezeigt. Nämlich Sie ſelbſt.“
„Sie verſprachen mir Freund zu ſein und ich er⸗ bitte mir als erſte Probe unſeres jungen Bundes— falls es der Zuſtand Ihrer geſchätzten Gattin erlaubt — Ihre und die Geſellſchaft Ihrer Fräulein Schwe⸗ ſter zu einem kleinen Ausfluge nach Rützebüttel. Sie brauchen ſich nicht zu geniren, denn es wird außer uns Dreien Niemand an der Parthie Theil nehmen. Für Ihre ſo fleißige Schweſter wird dieſer Ausflug eine geſunde Erholung, für uns Gelegenheit ſein, uns näher einander anzuſchließen.“


