„Denken Sie an die Jungfrau von Orleans!“ rief Ferdinand dem Recenſenten zu.
„Iſt eine mythiſche Perſon!“ entgegnete Jener.
„An Semiramis, Catharina, Libuſſa und vor allen an die edlen Mädchen, welche Deutſch⸗ lands Befreiungskampf mitfochten.“
„Letztere waren fromme Schwärmerinnen. Ich tadle indeſſen ihr Gefühl nicht, nur ihr Handeln, welches immer unweiblich war.“
„Unweiblich!“— zürnte die Spanierin— „die Weiblichkeit iſt immer das Bollwerk, hinter wel⸗ ches ſich die klugen Herrn zurückziehen, wenn ſie nicht mehr weiter können. Ich will Ihnen ſagen, was man unter dieſer ſogenannten Weiblichkeit verſteht: Nichts als die Schwäche und Apathie, in die unſer Geſchlecht, durch die wohlberechnete Klugheit der Män⸗ ner, nach und nach verfiel. Sorgt man nicht ſchon von Kind an, daß wir nicht kräftig werden ſollen? Würde man dem kleinen Mädchen dieſelbe freie Be⸗ wegung in friſcher Luft, dieſelbe Körperübung im Waſſer, dieſelben zweckmäßigen Spiele gönnen, die man dem Knaben erlaubt; würde die Jungfrau ſo gut ſpazieren gehen, reiten, fahren, jagen dürfen, als der Jüngling— ich möchte doch wiſſen, ob dann das Weib noch immer ſchwächer als der Mann wäre?


