221
lind was charakteriſirt die jungen Herrchen und Dämchen: ſie können tanzen, ſchlecht engliſch und fran⸗ zöſiſch ſprechen, das Clavier ſpielen, keck aburtheilen, ſich hübſch putzen, Jeden verachten, der weniger Tha⸗ ler hat als ſie; ſie wiſſen nicht das Geringſte von den geiſtigen Intereſſen der Menſchheit, nichts von Ge⸗ ſchichte noch Literatur— überhaupt Nichts, was über die Tagesmode hinausgeht.
Dieſe geiſtige Beſchränktheit bei reichen Geldmit⸗ teln hat denn natürlich einen doppelt widerlichen Stolz zur Folge, und dieſer Geldſtolz iſt es, welcher jene ſcharfe Schattirung der Stände und Taxation nach dem Vermögen hervorruft, welche einem ſocialen Le⸗ ben ſo hemmend entgegentreten. Und dann— es fehlt hier Gemüthlichteit. 1
Dieſe bockslederne Steifheit geht ſo weit, daß die
WMillionärs gewiß mit den Hunderttauſendern
nicht einen und denſelben Vergnügungsort beſuchen; eben ſo wenig wollen die Letzteren mit den Tauſendern noch die Tauſender mit den Handwerksleuten zu⸗ ſammentreffen. Nur der dritte Pfingſttag vereinigt Alles im Wäldchen, und ſelbſt die Ariſtokratie fährt dann hinaus und ſagt dann gnädig lächelnd:„Wie


