Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Entstehung
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Der Inhalt dieſer Zeilen traf Zacharias wie Dolch⸗ ſtiche. Clariſſens reine und wahre Liebe, die ſo un⸗ gezwungen und urkräftig wie eine ſegensvolle Quelle aus ihrem Herzen floß, ſchmetterte ihn zu Boden.

Hatte er ſie nicht ſchon ſo oft in kurzer Zeit treulos verrathen? ſetzte er ihrem kindlichen Zutrauen nicht Heuchelei entgegen?

Und dennoch fühlte er, daß er Clariſſe innig und wahr liebe. Aber er liebte ſie ganz eigenthümlich, wie ein höheres Weſen, unendlich! aber mit ei⸗ ner gewiſſen heiligen Scheu. Er betete ſie an! und die Andern? die ſchöne Jüdin in Dalmſtadt und Jeannettchen u. ſ. w.? ja, dieſe liebte er nicht, zu dieſen hatte ihn nur ein heftiger Sin⸗ nenreiz gezogen. Aber dieſer verdammte Sinnenreiz war ſo unwiderſtehlich und die Sünde ſo ſchön, ſo angenehm. Und dann, was konnte dieſes vorüberge⸗ hende Liebesgetändel ſeiner tiefgegründeten Neigung zu Clariſſen thun.

Nein ſagte erich bin Clariſſen, weiß Gott, im Augenblick der Untreue noch treu! Ich heirathe ſie doch!

Er dachte tiefer über ſich nach und fand, daß er