Teil eines Werkes 
2. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Theurer Freund!

Deinen lieben Brief aus Ehningen habe ich glück⸗ lich erhalten. Aber warum ließeſt Du mich ſo lange auf ihn warten? Ach, Du kennſt die Angſt und Sorge eines liebenden Herzens nicht! Tauſend neue Gegenſtände ſchweben in einem Tage an Dir vor⸗ über, Du willſt fie kennen lernen, Dich unterrichten; Du haſt ſchöne Gegenden zu ſehen, fremde Menſchen, Sitten und Gebräuche zu beobachten, Kunſtſchätze auf⸗ zuſuchen und vor allen Dingen Deinen Geſchäften nachzugehen, die Dich allein ſchon von Dir ſelbſt abziehen.

Aber wie ganz anders iſt es mit Deiner armen Clariſſe. Sie ſitzt zu Hauſe in ihrem beſcheidenen Stübchen und arbeitet. Ihre ganze Zerſtreuung be⸗ ſteht allenfalls in der Beſorgung der kleinen Haus⸗ haltung, und wenn es hoch kommt, im Leſen eines guten Buches. Sieh! da bleiben die Sinne gefan⸗ gen in den vier Winden denn daß ich es Dir

nur geſtehe: beim Arbeiten und in der Küche und

ſelbſt über dem Leſen überraſcht mich ſtets ein und derſelbe Gedanke, und das iſt die Erinnerung