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Freuden und Leiden eines Commis Voyageur / [Heribert Rau]
Entstehung
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den ihn majeſtätiſch überragenden Kaiſerſtuhl hinaufſtieg, — erglänzte im röthlichen Abendgolde. Ueber ihr ſchwebte, wie eine prachtvolle Mauerkrone, von dem romantiſchen Hauche längſt verſchwundener Jahrhunderte umweht, die herrliche Ruine der alten Pfalzgrafenburg. Ueber den wild dahinſchäumenden Neckar legte die ſchöne Brücke ihren Arm, und dieſſeits lachten die zierlichſten Landhäuſer aus Wein⸗ bergen und freundlichen Gärten herab. 3

Die Freude ſtimmt uns heiter, und drängt uns, wenn ſie ſich ſteigert, zu lauten Aeußerungen: wir fingen, lachen, jauchzen. Ueberſchüttet aber ein Moment die Seele mit

Entzücken, ſo finden wir keine Weiſe, dieſe Seligkeit würdig

auszudrücken— verſenkt in Luſt, ſchweigen wir, und nur

ein wonniges Zittern, eine glühende Umarmung, ein Blick,

deuten die überſchwenglichen Gefühle an, deren Mächtigkeit unſere Bruſt zerſprengen möchte. Aber ſelten ſind dieſe Momente im Leben und nur die Begeiſterung für Religion, Poeſie, Kunſt, Wiſſenſchaft, Natur und— reine Liebe ver⸗ mögen ſie zu geben.

Unſern jungen Helden erſchütterte eben jetzt ein ſolches Entzücken, und nur ungern nahm er Abſchied von der Na⸗ tur, um in die engen Straßen einer Stadt einzufahren. Deſto inniger fühlte er das Bedürfniß ſich mitzutheilen, und ſo ſollte das Feſt dieſes Tages ein Spaziergang nach den Ruinen und dann— in der Stille der Nacht— das Schreiben eines Briefes an Clariſſen krönen.

Im„Prinzen Carl“, dem erſten, ſchönſten und beſten

Gaſthofe Heidelbergs, bekam er, da er mit eigenem Wagen und Ertrapoſt reiste, ein ſchönes Zimmerchen im zweiten Stock mit der Ausſicht nach dem Schloſſe und freundliche Geßßter⸗